Montag, den 20. Dezember 2010 um 15:32 Uhr

Demokratische Schule in Arad

Autor: Monika Wernz
Demokratische Schule in Arad  mw

Heute verbrachte ich meinen Tag in der demokratischen Schule in Arad, im Süden Israels.

Die demokratische Schule in Arad lebt bestimmte Bereiche der Sudburyphilosphie, sie gehen aber ihren ganz eigenen Weg. In Arad sind die Eltern sehr in den Schulalltag involviert, haben auch eine Stimme in der Schulversammlung und können Angebote oder auch Unterricht abhalten.  Ich unterhielt mich heute den ganzen Tag sehr intensiv speziell über dieses Thema mit Mitarbeitern und Schülern.

Sie erzählten mir, dass es für sie sehr gut funktioniert, sicher auch Nachteile mit sich birgt, jedoch ist die Elternmitarbeit ein wesentlicher Bestandteil der demokratischen Schule in Arad. Sie beschreiben ihre Beziehung zu den Eltern als sehr freundschaftlich.  Eltern können hier kommen wann sie möchten, sie haben jederzeit das Recht am täglichen Schulleben teilzunehmen.  Es hilft, so wird mir erzählt, dass Eltern die Schule verstehen und Vertrauen aufzubauen. Schüler, Mitarbeiter und Eltern sind gleichberechtigt.  Ich hörte unterschiedliche Meinungen darüber, dass Eltern ein Stimmrecht in der Schulversammlung besitzen.  Eine Schülerin sprach possitiv darüber, wenn Eltern die Schule besuchen können, aber nicht, dass sie über das tägliche Schulleben mitbestimmen.  Es macht mache Situationen schwierig, wenn Eltern bei Entscheidungen mitwirken, aber nicht  täglich involviert sind. Eine Mitarbeiterin erzählte mir wiederum, dass Eltern eher weniger an der Schulversammlung teilnehmen, wenn sie ein Antrag nicht wirklich betrifft.

Während meiner ganzen Reise werde ich zu diesem Thema mit unterschiedlichsten Meinungen und Argumenten konfrontiert, auch jede Schule findet eigene Wege. Es ist ein sehr spannendes Forschungsfeld.

In Sudburyschulen, so wie auch im Konzept der Sudbury Schule München, sind die Eltern nicht in das tägliche Schulleben involviert. Die Schule ist der Raum fuer die Kinder, in welchem die Eltern im täglichen Zusammenleben kein Einfluss haben.  Man kann sagen, es ist der private Bereich der Schüler.  In Jerusalem z.b. fordern die Schüler ihren eigenen Raum auch ein, und möchten nicht, dass die Eltern sich im Schulalltag aufhalten. Es ist ein Ort der Schüler. Die Eltern stehen außerhalb der Schule. Die Schüler fühlen sich allein, gemeinsam mit den Mitarbeitern,  für ihre Schule verantwortlich.

In Kanaf können die Eltern die Schule besuchen, an der Schulversammlung teilnehmen, haben aber kein Stimmrecht. Eltern halten sich relativ wenig in der Schule auf. Mitarbeiter erzählten mir, jeder führt sein eigenes Leben.  Leider habe ich vermisst, in Kanaf gezielter Schüler zu fragen, wie sie ihre Regelung bezüglich Elternbesuche empfinden.    

Was ich in Arad immer wieder hörte. Eltern  lernen mit, das System zu verstehen. Zudem werden weit mehr Ressourcen genützt.  Eine Mutter erzählte mir eine Erfahrung, als sie einen Trip mit organisierte und an der Wanderung  teilnahm.  Der Weg war im Vorfeld organisiert. Während dem Trip entschied die Gruppe einen anderen Weg einzuschlagen.  Es war sehr hart für sie, dass plötzlich spontan Dinge umorganisiert wurden.  Gleichzeitig sah sie die Bereicherung des anderen Weges.  Am Abend verstand sie die Schule weit mehr. Es gibt nicht nur einen Weg.   

Eltern sind, egal in welcher Schule, ein wichtiger Part. Das Vertrauen der Eltern, dass sich Kinder nach ihrem individuellen Plan selbst bilden, ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für das Gelingen einer selbstbestimmten Entwicklung. Kinder brauchen die Gewissheit, von den nächsten Bezugspersonen in ihrer Einzigartigkeit angenommen zu sein. Diese Sicherheit bildet den Boden, sich auf den eigenen Weg der Freiheit zu wagen.

Was letztlich wirklich das Vertrauen fordert und mehr unterstützt?  Ich glaube nicht, dass es nur einen richtigen Weg gibt und ich bin gespannt, welchen Weg eine zukünftig bestehenden Sudbury Schule in München einschlagen wird.

Ich werde mich weiterhin mit all den Vor-und Nachteilen beschäftigen und auch in den USA forschen.

 

Ich wünsch' mir eine andere Schule

Film-Reportage in Sat 1 - Lebensformen

Filmbeiträge: Monika Manoutschehri
Moderation: Lui Knoll
Redaktion: Hartmut Joisten

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