Beobachtung und Nachahmung beschreibt auch den Kern sogenannter sozialer Lerntheorien. Hierbei wird betont, dass Menschen nicht alle Handlungen selbst ausprobieren müssen, sondern vieles aus ihrer sozialen Umwelt übernehmen. Schüler eignen sich somit beim Beobachten anderer Lebensmodelle zahlreiche Mechanismen des Modellbauens an, die sie zu ihrem Vorteil nützen können.
Neben sozialen Fähigkeiten, die auf diesem Wege angeeignet werden können, findet auch eine Informations- und Wissensaneignung statt und Schulmitglieder aller Altersstufen inspirieren sich in einer altersgemischten Umgebung ständig gegenseitig.
In jeder Schule fiel mir auf, dass z.B. ein jüngeres Kind gerne seine Zeit im Büro verbrachte und die Tätigkeiten der älteren Schüler und Erwachsenen aufmerksam beobachtete. Bei Konversationen von Jugendlichen sieht man immer wieder, wie jüngere Kinder sich ganz wach dazu gesellen, ohne in der Konversation beteiligt zu sein. Bei Aktivitäten und Projekten jeder Art konnte ich oft ein oder mehrere Kinder sehen, die von außen die Aktivitäten nur beobachteten.
Ich selbst kann nun aus eigener Erfahrung berichten, wie viel ich über die Organisation einer Sudbury Schule, über demokratische Entscheidungsprozesse in Schulversammlungen, meiner Anwesenheit in vielen Justizkomitees oder beim Suchen von Bildern mit meiner Kamera während meiner Reise, nur durch Beobachtung, gelernt habe. Das ist erstaunlich.
